AUSGEPLÜNDERT - Teil 3

AUSGEPLÜNDERT 03

akkumulierte Ungerechtigkeit

Die ganze Problematik der Mindestkörperschaftsteuer für kleine GmbHs wird noch deutlicher, wenn wir uns die Dynamik dieser Steuerpolitik über einen längeren Zeitraum betrachten, zum Beispiel seit der letzten Finanzkrise im Jahr 2008.

Anhand der Zahlen des Wirtschaftswachstums 2008 - 2019 (Quelle: WKO) ist auch leicht ersichtlich, dass viele Kleinst- und Kleinbetriebe in Österreich ihre Ertragslage seit 2008 nicht mehr nachhaltig verbessern konnten. Den wenigen Boom-Jahren (2011, 2016-2018) standen nämlich fast ebenso viele Jahre mit wenig bis keinem Wachstum gegenüber.

Wenn wir uns dazu unsere ´still-alive GmbH´ mit fiktiven aber deshalb nicht unrealistischen Werten über diesen Zeitraum betrachten, sollte der langfristige Negativ-Effekt der Mindestkörperschaftsteuer auch für einen unbedarften Betrachter offensichtlich werden.

´still alive GmbH´ - Betriebsergebnis 2008 - 2020

Wie aus der obigen Tabelle zu ersehen ist, wird die Mindestkörperschaftsteuer weder rückerstattet noch anhand des tatsächlichen Jahresendergebnisses neu festgesetzt. Jedes Jahr mit einem Verlust, einem "nur" ausgeglichenen Ergebnis (schwarze Null) oder weniger als 7.000 Euro Gewinn erzeugt lediglich ein stetig wachsendes Mindestkörperschaftsteuer-Guthaben beim Finanzamt.

Unserer ´still-alive GmbH´ wurde in diesem Beispiel durch die Vorauszahlung der Mindestkörperschaftsteuer in den Jahren 2008 - 2019 insgesamt ein Eigenkapital in der Höhe von 16.000 Euro entzogen. Das Stammkapital der GmbH in der Höhe von 35.000 Euro wurde damit bereits mit Ende 2019 um mehr als 46% reduziert.

Die ´still-alive GmbH´ wird bis Ende 2020 Vorauszahlungen für die Körperschaftsteuer in der Höhe von 17.750 Euro geleistet haben. Um dieses akkumulierte Guthaben an Körperschaftsteuer zu „verbrauchen“ müsste es der GmbH 2020 gelingen einen GEWINN in der Höhe von 71.000 Euro zu erwirtschaften. Wie realistisch diese Möglichkeit für unsere kleine GmbH ist, kann jeder Leser selbst beurteilen. Sollte sich der massive Geschäftserfolg dann doch erst 2021 einstellen, müsste der Gewinn dann allerdings bereits 78.000 Euro betragen.

Wann haben Sie zuletzt Ihren Körperschaftsteuerbescheid gelesen ?

Ein Ein-Zeiler auf dem Körperschaftsteuerbescheid gibt einen freundlichen Hinweis auf das Mindest-Köst-Guthaben.

„Hinweis: Für die nächsten Veranlagungsjahre stehen XX.XXX € als verrechenbare
Mindestkörperschaftsteuer zur Verfügung.“

Um den freundliche Charakter dieser Mitteilung nicht zu trüben, verzichtet das Finanzamt darauf die dazu notwendigen Rahmenbedingungen, sprich die Höhe des Gewinns anzuführen, der für die „Ausnutzung“ dieses Steuerguthabens erforderlich ist. Bei 25% Körperschaftsteuer schafft man das allerdings auch mit einer kleinen Kopfrechnung, indem man den ausgewiesenen Betrag einfach mit 4 multipliziert.

Haben Sie nun vielleicht auch das Bild eines Esels vor Augen, dem man eine Karotte vor die Nase hält damit er einen Berg hinaufläuft. Dabei ist unsere GmbH der Esel, die Karotte das Guthaben aufgrund der Mindestkörperschaftsteuer und der Berg der Betriebsgewinn, den es zu erreichen gilt, um dieses Guthaben zu verbrauchen. Der bildliche Vergleich wird allerdings erst komplett, wenn sie für jedes Jahr gedanklich ein neues Bildchen zeichnen und den Berg, den es zu erklimmen gilt, jedes Jahr ein wenig höher und steiler machen. Sollte dem Esel letzten Endes die Luft ausgehen, zerplatzt alles wie eine Seifenblase.

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