AUSGEPLÜNDERT - Teil 5

AUSGEPLÜNDERT 05

25% Köst zahlen nur die Kleinen

Nicht unerwähnt darf die Tatsache bleiben, dass hauptsächlich kleine Betriebe 25% Steuer zahlen. Laufen die Geschäfte gut und kleine Unternehmen schaffen es die ´magische´ 7.000 Euro Gewinngrenze zu überschreiten, bedeutet das 25% Körperschaftsteuer-Einnahmen für die Staatskasse in voller Höhe. Ein Umstand der allerdings für die 1.216 Großbetriebe in kaum einem Fall zutrifft.

Ohne sich hier auf bekannte ´böse´ multi-nationale Unternehmen zu fokussieren, die es bekanntermaßen schaffen, ihre Gewinne schlussendlich, wo auch immer, mit weniger als 5% zu versteuern, gibt es auch für sozusagen ´anständige´ Großbetriebe, verschiedene, sogar vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeiten die Körperschaftsteuer nach unten zu minimieren (z.B. Gruppenbesteuerung). Es braucht wohl nicht extra erklärt werden, warum allen Kleinst- und Kleinbetrieben solche Möglichkeiten der „Steuer-Optimierung“ nicht zur Verfügung stehen.

Unverständlich erscheint daher auch die, immer wieder aufflammende Diskussion um eine weitere Senkung der 25%igen Körperschaftsteuer, um den Wirtschaftsstandort Österreich für eine Handvoll Großbetriebe oder Konzerne ´attraktiver´ zu machen. Der geltende Körperschaftsteuersatz von 25% wird von den meisten österreichischen KMUs nämlich NICHT ALS ZU HOCH empfunden und eine Absenkung um weitere 2 oder 3% würde den vielen Kleinst- und Kleinbetrieben sowieso nur marginale Vorteile bringen.

ca. 50 Millionen Eigenkapitalentzug bei kleinen GmbHs jährlich

Die Einnahmen an Mindestkörperschaftsteuer von Kleinbetrieben betragen jährlich ca. 166,75 Millionen (95.284 Kleinst- und Klein-GmbHs x 1.750 Mindest-Köst). Jeder GmbH, die es nicht schafft, die 7.000 Euro Betriebsgewinn zu erwirtschaften (schätzungsweise bis zu einem Drittel), wird damit auf direktem Weg und Jahr für Jahr Eigenkapital entzogen. Eigenkapital das nun für die Überbrückung des Covid-19 Lock-Downs schmerzlich fehlt.

Die mangelnde Kapitaldecke (Eigenkapital-Ausstattung) österreichischer KMUs, immer wieder auch ein Randthema und auch oftmals beklagt, ist durch die geltenden Steuergesetzgebung praktisch mitverschuldet.

Um den hier aufgezeigten Negativ-Effekt der Mindestkkörperschaftsteuer zu erkennen, braucht es wohl kaum ein betriebswirtschaftliches Studium sondern lediglich ein wenig mehr Einsicht in die wirtschaftliche Realität österreichischer Kleinst- und Kleinbetriebe. Der negative Effekt der Körperschaftsteuer für Kleinst- und Kleinbetriebe ist ja offensichtlich nicht unbekannt, anders wäre nämlich die reduzierte Mindestkörperschaftsteuer für Jungunternehmer nicht zu erklären. ´Verkauft´ als Start-Up Offensive gültig ab 30.06.2013, gilt nämlich ein reduzierter Satz von 500 Euro (4x 125) in den ersten 5 Jahren und 1.000 Euro (4x 250) für die darauffolgenden 5 Jahre.

Allen Kleinst- und Kleinbetrieben die sich allen Widrigkeiten zum Trotz, seit 10, 15 oder mehr Jahren am Markt behaupten konnten, wird Jahr für Jahr zumindest 1.750 abverlangt, was beispielsweise über die letzten 12 Jahre gerechnet, in ungünstigen Fällen mittlerweile die Hälfte des gesamten Eigenkapitals aufgezehrt hat.

Warum solche Tatsachen von jeder Regierung und allen Oppositionsparteien jeden Couleurs seit Jahrzehnten geflissentlich „übersehen“ werden, kann ich leider nicht beantworten ohne polemisch zu werden. Ebenso unerklärlich bleibt für mich auch die Untätigkeit der, mit Pflichtbeiträgen finanzierten Interessensvertretungen.

Too Many to Fail – eine neue Erkenntnis aufgrund Covid-19

Sie erinnern sich sicher an das Schlagwort „Too Big to Fail“ aus dem Jahr 2008. Während 2008 in Österreich genau 3 Kreditinstitute gerettet werden mussten, heißt nun die neue Erkenntnis nach 6 Wochen Covid-19 bedingtem Lock-Down „Too Many to Fail“.

Plötzlich steht nämlich die überwältigende Mehrheit der österreichischen Unternehmer und Unternehme-rinnen im Rampenlicht und wird, vielleicht das erste Mal überhaupt auch medial entsprechend wahrgenommen.

Die Regierung sieht sich plötzlich mit mehr als 100.000, 200.000 oder möglicherweise noch mehr Kleinst- und Klein-Betrieben konfrontiert, die nun schwer gefährdet sind, das Geschäftsjahr 2020 nicht zu überstehen.

Obwohl der Regierung in den letzten Wochen sicher keine Untätigkeit angelastet werden kann und natürliche jede Hilfe willkommen ist, wäre jetzt wohl auch der richtige Zeitpunkt diese Ungerechtigkeit im Steuersystem für Kleinst- und Klein-GmbHs zu korrigieren.

2 Comments

  1. Norby H.G.24/06/2020

    Vielleicht kannst ein typisches Beispiel mit Zahlen bringen, um nicht damit Beschäftigten
    vorzuführen, was für Monsterbeträge hier den KU verloren gehen…

    Antworten
    1. Erwin Zawadil24/06/2020

      Hallo Norby !
      Sollte eigentlich anhand der fiktiven ´still-alive GmbH´ (Tabelle 1 – siehe Teil 2) und einer angenommenen Geschäftsentwicklung (Tabelle 2 – siehe Teil 3) nachvollziehbar sein. Der Eigenkapitalentzug jährlich (Teil 5), respektive das Gesamtvolumen der Mindest-Köst-Guthaben (Teil 6) sind natürlich Schätzungen, die ich aber auch im Beitrag erkläre.
      1) 95.214 GmbHs sind Kleinst- und Kleinbetriebe
      2) Annahme 1/3 davon also rund 30.000 Betriebe erreichen nicht die erforderlichen 7.000 Betriebsgewinn und zahlen daher pro Jahr Köst für nicht erzielte Gewinne > 30.000 x 1.750 = 52,5 Mio.
      3) Schaust Du Dir den akkumulierten Negativ-Effekt an, ergibt sich bei der vorher angesetzten Zahl von 30.000 GmbHs ein durchschnittliches Mindest-Köst Guthaben beim Finanzamt von 6.667. Das ergibt die, von mir geschätzten 200 Mio. für die Rückzahlung, was ich nicht für unrealistisch halte.
      Lg Erwin Zawadil

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code

Scroll to top